DISCLAIMER! Dieser Beitrag enthält erschreckend wenig Krawatten.

Vor einigen Wochen habe ich erörtert, weshalb genau jetzt die beste Zeit für klassischen Stil ist.

Ein Argument dafür ist, dass es heutzutage mehr denn je zuvor akzeptiert ist, formelle Stilelemente mit legeren zu kombinieren.
Nun ist es endlich an der Zeit, konkrete Beispiele dafür vorzustellen!

Außerdem stehe ich dazu, dass der persönliche Stil eine kontinuierliche Entwicklung ist, und man sich nur weiterentwickelt, wenn man von Zeit zu Zeit die Grenzen auslotet.
Und auch das mache ich diesem Beitrag.

Denn, liebe Freunde des kultivierten Lebensstils, ich habe sechs sehr informelle Kleidungsstücke herausgesucht, die ich in mein heutiges Outfit integrieren möchte. Im Moment mag es zwar noch ganz und gar nicht leger aussehen, doch das wird sich Kleidungsstück für Kleidungsstück ändern.
Zu jedem Kleidungsstück möchte ich drei Fragen beantworten.
Passt es ins aktuelle Ensemble?
Falls nicht, was muss verändert werden, damit es passt?
Und werde ich es in meinen Alltag integrieren?

Ich muss gestehen, ich war mir zu Beginn des Drehs überhaupt nicht sicher, ob mein Vorhaben Früchte tragen wird
…aber dagegen hilft nur, das Experiment zu wagen und sich darauf einzulassen.
Doch dafür muss ich zunächst meinen Fedora aufsetzen.

1. Beanie vs. Hut

Und ihn auch direkt wieder abnehmen.
Ich gebe zu, dass ich diesen wunderschönen Christie’s Hut viel zu selten trage – Er ist, selbst an meiner Garderobe gemessen, eine Nuance zu formell.
Aber im Sinne dieses Experiments ersetze ich ihn nun durch…
…das inoffizielle Hipster-Erkennungsmerkmal – eine rote Beanie.
Meine Beanie ist aus Kaschmir und ich habe sie mal von einer Florenz-Reise mitgebracht.

Obwohl sie hier ganz nett mit der Textur der Hose und dem Rotton der Schuhe harmoniert, fehlt Irgendetwas. Konkret fehlt ein zusätzlicher Layer, wie eine Jacke oder ein Mantel. Ich habe mich hier für meinen Polo Coat entschieden. Und ja, auch wenn die Mütze hier immer noch sehr hervorsticht, finde ich sie als kleinen Farbakzent durchaus gelungen. Daher könnte ich mir vorstellen, sie regelmäßig zu tragen. …wenn da meine Haare nicht wären, die gegen jeden Hut und jede Mütze Etwas auszusetzen haben. Das ist der einzige Grund, weshalb sich bei mir weder Hüte noch Mützen durchsetzen, und die rote Beanie auf Lebzeit zum Einsatz an Bad-Hair-Days verdammt ist.

2. Halstuch vs. Krawatte

Nun passiert etwas verrücktes – ich löse meine Krawatte.
Ersetzt wird sie durch dieses Seideneinstecktuch mit Van-Gogh-Print aus einer uralten Kollektion vor mir.
Seideneinstecktücher trage ich im Moment sowieso sehr selten – vielleicht machen sie ja am Hals eine gute Figur.
Die erste Frage, die sich dabei stellt – wie binden? Ich falte das Tuch mehrfach diagonal, rolle es auf und binde dann einen klassischen Krawattenknoten, den Four-In-Hand.

Falls ihr den Four-in-Hand noch nicht gebunden habt und erfahren möchtet, wie dabei vorzugehen ist, schaut euch gerne mein Video dazu an.

Mir gefällt der Look ziemlich gut und es fühlt sich auch überhaupt nicht verkehrt an, ein Tuch direkt am Hals zu tragen. Der Eindruck ist ähnlich zu einem Ascot oder Krawattenschal, nur etwas jugendlicher.

Ich sehe auch keinen Grund, der dagegen spricht, die Krawatte zu informellen Anlässen häufiger durch ein Halstuch zu ersetzen.
Nur im Winter muss ich mir noch eine Alternative zum Seidentuch überlegen.

3. Hemdjacke vs. Sakko

Im dritten Experiment gilt es, eine Alternative zum Sakko zu finden. Ich habe mir hierzu ein älteres Overshirt aus Leinen von A Days March herausgesucht.
Es ist etwas weiter geschnitten und bedeckt, analog zum Sakko, weiterhin mein Gesäß.

Der Unterschied zu vorher ist schon ziemlich enorm, da ich zum ersten Mal kein Accessoire, sondern ein fundamentales Bestandteil des ursprünglichen Outfits ausgetauscht habe.
Die Jacke ist deutlich weniger definiert als das Sakko und trägt sich wesentlich komfortabler.
Mir gefällts – vor Allem im Kontext der gesamten oberen Hälfte des Outfits.
Die graue Stoffhose und die Cordovan-Pennyloafer gehen dazu gerade noch durch – eine Leinenhose, insbesondere in Tabakbraun, sowie Raulederschuhe würden aber noch besser passen.

4. Jeans vs. Stoffhose

Leider besitze ich aktuell nicht die, im letzten Kapitel angesprochene, tabakbraune Leinenhose. Also probiere ich stattdessen die des Deutschen liebste Hose aus – die blaue Jeans.

Ich bin nicht der größte Jeans-Fan und daran wird auch dieses Experiment vermutlich Nichts ändern. Sie sind unbequem, schmeicheln nicht gerade den Proportionen des menschlichen Körpers und färben wie sau.

Daher bin ich umso überraschter, wie gut die Jeans zur Hemdjacke und den Cordovan-Schuhen passt. Farblich greift sie sogar – rein zufällig – das Tuch auf.
Aber – ich finde Jeans und Hemd immer noch so uninspiriert und inkongruent zusammen, dass ich mich damit nicht anfreunden kann.
Im Ausnahmefall würde ich die Jeans in dieser Kombination mal mit meinem Breton Shirt tragen.

Die Betonung liegt auf “MAL” – Im Alltag hole ich sie weiterhin nur zum Pakete packen und Brötchen holen aus dem Schrank.

Da mich die inflationäre Nutzung von Jeans quer durch die gesamte Gesellschaft und zu allen Anlässen aber hart annervt, kommt bald mein Video mit drei Alternativen zur Jeans – macht euch bereit. Falls es mittlerweile da ist, verlinke ich es ebenfalls in der Infobox.

5. Polo vs. Hemd

Kommen wir nun zu einer der zeitgenössischsten Methoden, ein klassisches Outfit zu “casualisieren”. Der Substitution des traditionellen Hemdes durch ein Polo Shirt.
Ich könnte es mir einfach machen und eines meiner langärmeligen Jersey-Polos von GIIN wählen aber ich möchte die Messlatte noch etwas höher legen und tausche mein Hemd mit diesem dunkelblauen Terry-Cloth-Kurzarm-Polo.
Vor ein paar Jahren hätte ich dieses Polo Shirt höchstens am Strand getragen aber mittlerweile fühle ich mich damit auch im Alltag, zum Beispiel am Casual Friday, wohl.

Kurzum – meinen Geschmack trifft das Polo Shirt, in einer idealen Welt würde ich weiterhin dazu eine tabakbraune Leinenhose und dunkelbraune Raulederschuhe vorziehen, aber auch so, kann ich mir vorstellen, dieses Kleidungsstück in meinen Alltag zu integrieren.

6. Espadrilles vs. Loafer

Das letzte Kleidungsstück, das mein legeres Outfit komplettieren und dieses Experiment abschließen soll, wird mich nochmal richtig herausfordern.
Espadrilles sollen es sein – ich habe dieses Paar in meinem Schuhregal aufgestöbert.

Fangen wir mit den positiven Aspekten an.
Espadrilles sind richtig günstig – dieses Paar ist komplett traditionell handgefertigt in Spanien und hat, glaube ich, mal 11 oder 12€ gekostet.
Und die rosa Farbe passt doch echt ganz gut zu dem Tuch…

Die Nachteile sind etwas vielfältiger.
Klassische Espadrilles können gar keine Feuchtigkeit ab – überhaupt nicht. Daraus ergibt sich ein Zeitfenster von zwei Tagen pro Jahr, die trocken und warm genug sind, um optimale Bedingungen herbei zu führen.
Außerdem sind sie noch unbequemer als Jeans – der Gehkomfort ist etwa auf dem Niveau einer Akkupressurmatte.
Und dann ist da noch der Elefant im Raum – der rosa Elefant.

Um diese Schuhe irgendwie harmonisch in dieses Ensemble zu integrieren, brauchen wir jetzt erst recht eine weniger formelle Hose.
Diese tabakbraune Leinenhose passt mir leider überhaupt nicht, aber so stelle ich mir das legere und dennoch zeitlos elegante Outfit abschließend vor.

Was sagt ihr zur Transformation dieses Outfits von formell zu leger? Schreibt es mir in die Kommentare!

Die Hose ist übrigens Teil eines Massura-Sartoria-Maßanzugs, der über mein neues ReSpoke-Programm im Analogue-Approach-Webshop erworben werden kann.S

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